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Niemals vergessen – gegen Hass – für Versöhnung

Diese Worte stehen am Mahnmal in Erinnerung an den Brünner Todesmarsch 1945, welches am 10.
September 2022 eingeweiht wurde, gemeinsam mit einer Plastik. Oskar „Ossi“ Sollan ist der Initiator dieses
Mahnmals. Der Film „Odsun“ (Vertreibung) hatte ihm dazu die Inspiration gebracht, in seinem nahen
Wohnort Poysbrunn ein Gedenken zu errichten. Ossi Sollan hatte daraufhin den Entschluss gefasst: „Da
müsse man etwas tun, koste es, was es wolle!“ Natürlich hoffte er auf Spenden seitens des Heimatkreises
Nikolsburg, seiner südmährischen Landsleute, der Stadt Poysdorf, sowie vom Land Niederösterreich, damit
er nicht die vollen Kosten selbst tragen muss.

 

Dieses Mahnmal steht am jetzigen Ende der Autobahn A5 bei der Ausfahrt Poysdorf Nord auf einem P+D
Platz, mit einem wunderbaren Blick nach Südmähren mit der Stadt Nikolsburg.

 

Er fand ein altes Friedhofskreuz, das sollte jedoch nicht das Einzige sein. Ossi hatte ein Bild vor Augen, wo
drei Männer schlafend auf einer Bank saßen, die aber, wie sich herausstellte, bereits verstorben waren.


Dieses Bild ließ er von dem Künstler Martin Messinger in die Tat umsetzen. Dies Plastik ist so naturgetreu
dargestellt, dass es für mich, und auch für viele andere, ein Blickfang ist.

 

Begonnen hat die Einweihung um 16 Uhr und schloss um ca. 17:30 Uhr ohne langweilig zu sein. Zu Beginn
begrüßte der Vizebürgermeister David Illi alle erschienenen Gäste, untermalt von der Musikkapelle Poysdorf.

 

Die Einweihung nahm Dechant Bernd Kolk mit Pfarrer Wolfgang Polder vor, nachdem das Mahnmal von
Oskar Sollan und Ehrengästen enthüllt wurde. Passend zu dem Anlass trug Frau dipl. Päd. Kraus Gedanken
von Papst Johannes Paul II vor. Anschließend wurde das Lied „Der große Gott“ mit allen Anwesenden
gesungen. Fortgesetzt wurde die Feier mit Gedichten, die Konrad Priestl vorgetragen hat. Zum Nachdenken
erfolgte der Zeitzeugenbericht von Hilde Nuß. Weiters gab es Ansprachen von Hans Günther Grech (Obmann des Kulturverbandes der Südmährer in Österreich). Ossi Sollan berichtete von der Vertreibung seiner Eltern aus Unterwisternitz. Bürgermeister Mag. Josef Fürst stellte sich mit Grußworten ein. Adelheid Bender Klein (2. Vorsitzende des Südmährerbundes) hielt ebenfalls eine Ansprache. Den Schluss der Reden hielt der NÖ Landtagspräsident Mag. Karl (Carlo) Wilfing, wobei er auf die Verschiedenheit der damaligen Vertriebenen aus dem Sudetenland und den heutigen aus der Ukraine einging. „Wenn es auch immer zu Vertreibungen auf der Welt gibt, so sollte man trotzdem immer die Vertreiber ächten“.

 

Den Abschluss der Einweihung bildete das gemeinsam gesungene „Kein schöner Land“ mit der
Südmährerstrophe.

 

Anschließend waren alle Teilnehmer eingeladen, in das Kolpinghaus nach Poysdorf zu kommen, wo Ossi
sich bei allen bedankte, die gekommen waren und auch an die, die gespendet hatten. Ossi Sollan ließ sich
nicht lumpen und lud zu einem kalten Buffet für ca. 150 Gäste ein.

 

Wie ich aus seinen Worten hören konnte, wurde das Mahnmal fast durch Spenden finanziert. Für das
Zustandekommen des Mahnmals gehört Ossi Sollan nochmals gratuliert, noch dazu, da er das Risiko auf sich nahm, bei den Kosten eventuell alleine übrig zu bleiben.

 

Am Kreuz ist folgender Text in Deutsch und Tschechisch angebracht: „In Erinnerung an die tausenden
Todesopfer der Sudetendeutschen im Zuge des Brünner Todesmarsches im Mai 1945. Es dauerte bis Ende
1946, bis die unmenschlichen Gräueltaten ein Ende hatten. Hier auf der Anhöhe der Brünnerstraße blickten
sie das letzte Mal zurück in ihre schöne geraupte Heimat.“

 

Neben der Plastik wurde eine Tafel angebracht ebenfalls in Deutsch und Tschechisch: „Eine Bank vor der
Drasenhofener Kirche. Rastplatz für Südmährer? Nein – Sterbeort im Zuge des Brünner Todesmarsches!“
Ossi Sollan nochmals ein Danke für seinen Mut und seine Entschlossenheit.

 

Franz Schneider